Schreibkraft
Heiner Frost
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August 18, 2016
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Ein Nein ist kein Vielleicht

Es ist einer dieser Prozesse, bei denen es um Grenzüberschreitungen geht. Es geht darum, dass ein Nein ein Nein ist – nichts anderes. Ausnahmen von dieser Regel gibt es nicht. Es ist einer von dieser Prozessen, bei denen man den Stift wegwerfen möchte, denn man will nicht schreiben müssen, dass da einer ist, der die Intimität seiner Opfer in Besitz nimmt und sich zum Herrscher aufschwingt, dem die Untertanen gefällig zu sein haben. Man will nicht nachzeichnen, wer wen an welchen Stellen berührt hat und zu welchen Handlungen es gekommen ist. Man sucht nach der Trennlinie, die den netten Menschen vom Täter scheidet. Der Angeklagte, fast alle Opfer sagen das, war anfangs irgendwie nett. „Er hatte irgendwie zwei Gesichter“, wird eine von ihnen sagen. Gab es Gewalt? Es gibt Definitionsunschärfen. Wo beginnt die Gewalt?  Man hört zu und am Ende möchte man sich unter die Dusche stellen …

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zzzseifenblasen

August 15, 2016
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Merkwürdig wunderbar

Auf der Bühne ein Herr mit Akkordeon: Alpenaroma zerfetzt von E-Gitarre. Vor der Bühne: Zwei junge Frauen. Sie tanzen, drehen sich wüst im Kreis – die Arme an den Ellbogen untergehakt – und tragen Boots zum Alpentwist. Ist das hier die Jahresbelustigungsparty der Landfrauen?
Der Herr auf der Bühne fängt das Singen an. Was singt der da? Deutsch isses nich. Englisch auch nicht. Man braucht einen Moment, bis sich das ausgedehnte Wabern als österreichischer Singsang entpuppt. Es „tuat guat.“

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wwwgericht

August 8, 2016
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Zwei Stiche

„Was ist denn eigentlich passiert“, fragt man sich nach 300 Gerichtsminuten. Was, wenn man einen Film drehen müsste über diese Tat?
Geschichten werden über Geschehenes erzählt und manchmal auch über die Lücken dazwischen. Was aber, wenn alles Lücke wird, Lücke ist, Lücke war? Was, wenn der Eisberg noch weniger ist als seine sichtbare Oberfläche?

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August 2, 2016
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Cantus Domus oder: Deutsche Botschaft

Vielleicht ist ˋDespezialisierungˋ die richtige Vokabel. Die Rechtschreibkorrektur sieht es anders. Sie geht in Lauerstellung und kommt mit Ersatzvorschlägen: Depersonalisierung. Deoffizialisierung. Deinundustrialisierung. Es kann nicht sein, dass jemand oder etwas sich despezialisiert. Dergleichen ist im System nicht vorgesehen.

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Foto: Rüdiger Dehnen

Juli 19, 2016
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Das Denken nach dem Denken

Foto: Rüdiger Dehnen

Heek zeichnet. Die Formate wachsen. Zeichnen ist eine spezielle Art des Denkens. Gedanken sind Objektträger. Heek zeichnet informell. Es gibt nichts wiederzuerkennen. Aber es gibt viel zu entdecken. Es ist, was es ist.

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wwwtoguo

Juli 1, 2016
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„Wer nicht denken will, fliegt raus“ oder: Museum als Essay

Manchmal lockt die Kunst. „Ja, ja. ja.“ Manchmal droht sie: „Nä, nä, nä.“ Sie stellt Bedinungen: „Wenn, dann“, sagt sie. Sie sagt: „Wer nicht denken will, fliegt raus!“ Haltstop. Das hat nicht die Kunst gesagt. Kunst spricht nicht. Künstler sprechen. Aber wie autonom ist ein Kunstwerk? Kann es sich vom Schöpfer lösen und dann ein Leben in der eigenen Welt beginnen? Kann das Kunstwerk den Schöpfer verleugnen und ihn aus dem Staub machen?

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wwwlersch2

Juni 28, 2016
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… und glücklicher zu gehen

Vielleicht muss man nicht über die Kunst sprechen. Das Leben genügt, und was bringt es schon, wenn das eine nicht im anderen zuhause ist. Ohnehin spricht Martin Lersch nicht über die Kunst. „Lass uns übers Zeichnen reden – über Malerei. Das sind konkrete Sachen.“ Ja, so machen wir‘s.

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wwwumzug

Juni 24, 2016
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Reise nach Jerusalem

Herr K. muss umziehen – keine große Sache, denn seine Habe passt auf einen Rollwagen: Fernseher, Waschzeug, Kleinigkeiten. Herr K. ist nicht allein. 112 Kollegen hat es auch erwischt. Die einen ziehen „zwei Straßen“ weiter, andere haben einen längeren Weg. Immerhin: Der Vermieter muss in allen Fällen für Ersatzwohnungen sorgen. Sie werden alle unterkommen …

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